TATHAGATA ABHIDAMMA
Das Immersiegende Gesetz der Wahren Sieger

Die Realität des Universums

TEIL 2
DAS FALLEN DER WESEN

Zwölf Stufen des bedingten Entstehens

Die Diskussion im Teil 1 handelte von der ersten Erschaffung des Universums. Das Universum wurde erschaffen, erhalten und zerstört so und so oft. Der Atman, der seine erste Erfahrung hatte, fällt rapide von den höheren Sphären in die niederen Sphären. In den buddhistischen Lehren ist dieser Prozeß als die "Zwölf Stufen des bedingten Entstehens" analysiert worden.

Nicht-übernatürliche Kraft zur Zusammensetzung der Erfahrungen

Zuerst gab es die Nicht-übernatürliche Kraft, folglich die Zusammensetzung der Erfahrungen. Der Atman wurde von den Drei Gunas beeinflußt, weil er gut fand, was nichts übernatürliches war, anders gesagt, was nicht absolut frei, glückselig und freudvoll. Das gab den Anstoß zur Zusammensetzung der Erfahrungen, welche existierte, bevor er den Zustand des Nirvana erlangte.

Erkennung

Die Zusammensetzung der Erfahrungen weckt allmählich Aktivität, und dann entsteht das dualistische Bewußtsein, mit anderen Worten, Erkennung. Die Erkennung ist eine Fähigkeit, die in der Lage ist, zu entscheiden: "Dies ist gut, jenes aber schlecht", oder: "Dies ist schön, jenes aber häßlich". Dieses dualistische Werturteil wurde weiter oben in dem Abschnitt behandelt, der sich mit den Fünf verhafteten Akkumulationen beschäftigte. Die Grundlage der Erkennung ist die Erfahrung.

Geistiges Element und Form-Figur

Aufgrund dieser Erkennung strebt der Atman nun dahin, konkrete Erfahrungen zu machen, sich konkrete Begierden zu erfüllen. Das führt zur Zusammungsetzung von Geistigem Element und Form-Figur. Die Form-Figur ist hier eine Erfahrung in der Sphäre der Form und hat folglich keinerlei stoffliche Grundlage.
Nichtsdestoweniger hat sie Empfindungen, die gegenüber denen, die wir mit unserem physischen Körper spüren, weitaus stärker sind. Die Erfahrung kann in diesem Gebiet genauso gültig sein wie in der groben Welt, oder gar weit natürlicher als in der physischen Welt.

Die sechs Sinneselemente und deren Objekte

Form-Figur und Geistiges Element rufen die sechs Sinneselemente und deren Objekte hervor. Die sechs Sinneselemente und deren Objekte sind: Bewußtsein des Gesichtes (Augen), Bewußtsein des Gehörs (Ohren), Bewußtsein des Geruchs (Nase), Bewußtsein des Geschmacks (Zunge), Körperbewußtsein und Geistesbewußtsein. Um einfachere Termini zu gebrauchen, nennen wir sie folgt: Sehen, Gehör, Geruch, Geschmack, Gefühl und Bewußtsein.

Vom Kontakt zu Empfindungen

Die Sechs Sinneselemente kommen in Kontakt mit ihren Objekten, mit anderen Atmans, welche ebenfalls das Prozeß des Fallens durchlaufen. Aus diesen Kontakten entstehen Empfindungen.

Das Verlangen

Empfindung ruft Verlangen hervor, eine starke Begierde nach dem Objekt. Warum ist das Verlangen von Anfang an da? Wie Ihr sehen könnt vom Prozeß bis zu dieser Stelle, besitzt man schon Erfahrungen, Erkennung und Empfindung in sich selbst. Verlangen entsteht nach dem, wofür man entschieden hat, daß es gut, schön oder behäglich ist.

Die Habgier

Wo Verlangen ist, ist auch Habgier. Nehmen wir meinen Fall als Beispiel. Als ich zum ersten Mal Coca-Cola trank, schmeckte sie stechendpricklig, nicht unbedingt angenehm. Aber da ich sie weiterhin trank, begann ich zu glauben, daß sie angenehm schmeckt, und so begann ich nach ihr zu verlangen. Das ist Habgier.

Dasein

Der Atman stürzt an dieser Stelle in die Niedere Sphäre der Form: dort verlangt er, was konkreter ist. Wir sind nicht mehr frei, da wir von den Objekten gebannt werden. Dieses Stadium wird Dasein genannt.

Die Geburt

Zum Sein in die Gebärmutter gelangt, wird der Atman nun in dieser Sphäre der Begierde geboren. Die Geburt ist die elfte Komponente. Gemeinsam mit dem Leiden, der letzten Komponente in diesem Zyklus, sind die Zwölf Stufen des bedingten Entstehens vollständig. Wie wir gesehen haben, sind die Zwölf Stufen des bedingten Entstehens der Prozeß, in dem die Bedingungen unseres Fallens gebildet werden.

Das Leiden

Was sagt das Wahre Dhamma über Dasein, Geburt und Leben in dieser Welt aus? Es lehrt, daß Dasein, Geborenwerden und Leben alles Leiden ist.
Warum wird das alles für Leiden gehalten? Deshalb, weil der Atman weiß, daß es weniger Freiheit, weniger Glückseligkeit und weniger Freude in dieser Welt gibt, vergleichen mit den Zeiten als er noch in der Sphäre der Form weilte, als er noch reines Geistiges Element und Form-Figur war. Sobald das erkannt worden ist, wird diese Welt zur Welt des Leidens.

Der Tod

Warum ist der Tod ein Leiden? Wenn wir in dieser Welt geboren werden, wie lange können wir denn schon leben? 80 Jahre? 100 Jahre? Nur eine solche kurze Zeit. Völlig gleich, wie sehr wir die Welt der Begierde genießen, irgendwann haben wir von ihr zu gehen. Der Tod ist unausweilich. Ist das etwa kein Leiden?

Der Altern

Sind wir jung, haben wir die Freiheit zu einigem, sei es Sport, Liebe oder verschiedene Arten von Freizeitaktivitäten. Mit zunehmendem Alter aber werden unsere Sinne schwächer, unser Körper verliert an Flexibilität, unser Erinnerungsvermögen läßt nach und unser Geist wird verworren. Das bedeutet immer weniger Freiheit zu genießen. Ist das etwa kein Leiden?

Krankheit

Wir können ein behagliches Leben führen, wenn wir gesund sind. Mit einem Male aber werden wir krank, wir haben Schmerzen und Qualen zu erleiden, die durch die Krankheit verursacht werden. Folglich ist Krankheit ein Leiden.

Sorgen

Hinzu kommen geistige Sorgen und Mißerfolge aller Arten. Darunter, um nur einige zu nennen, befinden sich Kummer, Trauer und Bedauern. Wenn wir in der Sphäre der Form, im Stadium des geistigen Elementes und der Form-Figur bleiben können, hätten wir viel weniger Sorgen, weitaus weniger Qualen. Wenn wir im Maha Nirvana, der Großen Sphäre der Vollkommenen Aufhebung der Leiden, bleiben könnten, würden wir viel freier, glückseliger und freudvoller sein.

Freisein vom Leiden

Deshalb streben die Praktizierenden der Wahrheit zurück zu solch einer Welt oder solch einem Zustand. Was tun sie denn im Speziellen? Sie studieren und praktizieren das Wahre Dharma, die Lehren von der Wahrheit, um sich vom Leiden zu befreien.

Der Glauben

Zunächst zum Glauben. Das Praktizieren beginnt mit dem Glauben an die Lehren. Mit anderen Worten, wo Leiden ist, ist auch Glauben. Glauben bedeutet ebenfalls Glauben an unseren Guru oder geistigen Lehrer zu haben bzw. zu ihnen Zuflucht zu nehmen, so daß sie unsere Kundalini, die für die spirituelle Erfahrung benötigte Energie, erwecken können.

Die Ekstase

Ihr Guru gibt Euch verschiedene Einweihungen und Ihr erweckt Eure Kundalini. Folglich fühlt Ihr eine Ekstase, die körperlich ist.

Die Wonne

Die Ekstase, eine körperliche Glückseligkeit, erzeugt geistige Glückseligkeit, die Wonne genannt wird. Man fühlt sich voll Wonne, ohne irgendetwas zu tun. Man erfährt so etwas wie ein visuelles Erstrahlen.

Die Seelenruhe

Wonne bringt Seelenruhe hervor, welche ein sehr friedlicher und ruhiger Geisteszustand ist. In den Lehren einiger japanischer buddhistischen Sekten wird das für die äußerste Ruhe des Geistes gehalten, was jedoch nicht richtig ist. Die Seelenruhe ist nur der halbe Weg zum vollkommenen Frieden.

Die Leichtigkeit

Die Seelenruhe ruft körperliche und geistige Leichtigkeit hervor. Treten wir in dieses Stadium ein, werden unsere Begierde viel geringer, verglichen mit denen der gewöhnlichen Menschen. Folglich wird man in dieser Welt sehr reich. Mit wenig Begierde und großer Wonne ist man vollauf befriedigt und sowohl mit körperlicher wie geistiger Energie geladen. Folglich erfährt man Leichtigkeit. Mit diesem Zustand der Leichtigkeit setzt der Prozeß ein, in dem man seinen Atman vom eigenen physischen Körper ablöst, es beginnt das Samadhi.

Das Samadhi

Das Samadhi ist der Prozeß, in welchem man seinen Atman von den Fünf verhafteten Akkumulationen, an welchen er gefesselt ist, befreit. Das Samadhi hat vier Phasen.

Die Erste Phase des Samadhi

Die Erste Phase des Samadhi setzt mit der eigenen Befreiung von einer Anzahl von Begierde ein. Dann befreit man sich von den Untugendhaften Gesetzen, die die Sphäre der Begierde ausmachen. Man schaut die Macht der drei Grundgifte und schwächt diese. Um die Begriffe der entsprechenden buddhistischen Schriften zu gebrauchen, sagt man: "Durch Nachdenken und Überlegen befreit man sich von den drei Grundgiften und erlangt den ruhigen und friedvollen Zustand, der das Erste Dhyana, die meditative Sammlung, genannt wird".

Überlegen und Nachdenken

Überlegen ist die Kontemplation, das Nachsinnen über ein Objekt. Nachdenken heißt bereits zu entscheiden: entweder sollte man das Objekt auswählen und in sich aufnehmen oder man sollte es aufgeben.

Die Aufgabe

Aufgabe bedeutet, alle unnötigen Handlungen des Körpers, der Rede und des Geistes einzustellen, und sie niemals wieder aufkommen zu lassen.

Die Zweite Phase des Samadhi

Betritt man die Zweite Phase des Samadhi, so hört man vollkommen auf zu denken. Oder anderum gesagt, wenn alle Gedanken versiegt sind, wenn man überhaupt nichts mehr denkt, so hat man die Zweite Phase des Samadhi erlangt. Vollkommen frei von zerstreuten Gedanken seiend, ist der Geist ruhig und verfügt über eine einheitlich zugespitzte Konzentration. Der Atman befindet sich in einem tieferen Zustand, wo weder Überlegen noch Nachdenken existieren. Die Wonne und Leichtigkeit, die durch diesen Zustand verursacht werden, sind dasjenige, was man in der Zweiten Phase des Samadhi erfährt.

Die Dritte Phase des Samadhi

Innerhalb der Dritten Phase des Samadhi wird man von den Phänomenen durch die Aufgabe der Wonne befreit. An dieser Stelle existiert alleinig die Wiederholung des Merkens. Man nimmt verschiedene Welten mit Hilfe der Wahren Weisheit, die man durch die Wiederholung des Merkens erlangt hat, wahr. Hier ist der eigene Körper völlig entspannt. Die Heiligen bzw. Meister der Meditation sind in dieser Phase vollkommen ungerührt von den Phänomenen. Es gibt nur die Wiederholung des Merkens, die ihnen eine ungeheuere körperliche wie geistige Entspannung gewährleistet. Das ist die Dritte Phase des Samadhi.

Die Wiederholung des Merkens

Die Wiederholung des Merkens ist weit mehr als ein bloßes Erinnern der Wahren Lehren. Sie hat die Funktion, die Lehren zu wiederholen, die man immer richtiger erinnert hat, um sie sich im eigenen tieferen Bewußtsein zu merken.

Die Vierte Phase des Samadhi

Kommen wir nun zur Vierten Phase des Samadhi. Wie ich in dem Abschnitt, der sich mit dem Ursprung der Empfindung beschäftigte, erleutert habe, sind Vergnügen und Qualen zwei Seiten einer Medaille. Daraus folgt, daß man die Qualen nicht loswird, ohne auch auf das Vergnügen zu verzichten. Man muß die Wellen glätten und den Ozean ruhig und friedlich machen. Deshalb verzichtet man in diesem Vierten Dhyana, bei der meditativen Sammlung, vollkommen auf Vergnügen und Qualen. Im Endeffekt ist all unsere frühere Glückseligkeit und Traurigkeit vollkommen erloschen. Anders gesagt: scheinbar hört die Zusammensetzung der Erfahrungen an dieser Stelle auf.
Der Zustand des Bewußtseins in dieser Phase ist Weder-Qual-Noch-Leichtigkeit; es gibt hier weder Qualen noch Leichtigkeit. Mit anderen Worten, wir sind von allem befreit. Allein die Wiederholung des Merkens existiert. Das Bewußtsein ist vollständig von Verunreinigungen befreit. Das ist die Vierte Phase des Samadhi.

Die wahrheitgemäße, bewanderte Ansicht

Nach der Vierten Phase des Samadhi folgt die Erlangung desjenigen, was ich die wahrheitgemäße, bewanderte Ansicht nenne. Die wahrheitgemäße, bewanderte Ansicht ist eine andere Bezeichnung für die fünf übernatürlichen Kräfte.

Himmlische Beine

Auf der Endstufe der Vierten Phase des Samadhi lassen wir einen anderen Körper aus unserem Kopf entweichen. Dieser Körper wird illusorischer oder inkarnierter Körper genannt. Dieser kann eigenständig auf dem Boden landen oder von ihm abheben, sowie dorthin gehen, wohin es ihm beliebt. Ebenfalls kann er frei seine Form-Figur umwandeln. Anders ausgedrückt, dieser Körper kennt keine Hindernisse. Er kann sich selbst durch die Lüfte tragen, kann über Gebierge, Mauern und Gebäude ganz nach eigenem Belieben springen. Er kann durch Wände gehen, als gäbe diese nicht. Er kann unter der Erde gehen, als sei sie Wasser, kann sogar auf dem Wasser gehen, frei schwimmen und durch die Luft fliegen. Ebenso kann er Sonne und Mond im Universum, in dem er existiert, berühren. Er kann sogar in einige Sphären, einschließlich die Himmel in der Form, gelangen. Das ist das wahrheitsgemäße Wissen, die erste Übernatürliche Kraft, die wir erwerben.
Ich erlebte diese Stufe in meiner frühen Phase des Praktizierens, als ich in einem Appartment in Tokio praktizierte. Mein illusorischer Körper verließ meinen physischen, ging durch die Tür, um einen Spaziergang auf den geschäftigen Straßen zu machen.

Himmlisches Gehör

Das nächste wahrheitsgemäße Wissen, die nächste übernatürliche Kraft, die wir entwickeln, ist mit der Welt des Himmlischen Gehörs verbunden. Diese Fähigkeit wird erworben, wenn die eigenen Vorstellungen durch und durch gereinigt sind. Sowohl diese Welt als auch die Welt des Himmlischen Gehörs sind vollkommen gereinigt und man ist in der Lage, himmlische und menschliche Stimmen, ob ferne oder nahe, so wahrzunehmen, als wären sie gleich nebenan.
Laßt mich eine eher wissenschaftliche Erklärung dafür geben. Kürzlich habe ich entdeckt, daß das Instrument für das Himmlische Gehör die 72.000 Nadis in unseren Körper sind.

Die Nadis

In userem Körper gibt es 72.000 Nadis. Nadis sind die Kanäle für die spirituelle Energie, die unseren zarten Körper konstituieren. Hinnsichtlich der Nadis herrschen zwei Meinungen: die eine behauptet, daß sie (die Nadis) die Blutgefäße mit einschließen; die andere behauptet das Gegenteil. Ich schließe mich der letzten Meinung an.
Der Atman nimmt die Vibrationen der Nadis auf, die von verschiedenen Schallwellen von außerhalb hervorgerufen wurden. Ihr könnt Euch das folgendermaßen vorstellen: im Körper existieren 72.000 Saiten, die bei äußerer Stimulierung vibrieren und man hört den Klang, der durch diese Vibration ensteht.
Vielleicht seid Ihr mit dem Fakt vertraut, daß ein Synthesizer mit nur 12 Tasten menschliche Sprachmuster reproduzieren kann, ein Instrument mit 72.000 Saiten könnte leicht beliebige Stimm- und Klangarten reproduzieren, nicht wahr? Wenn jedoch 50 oder 60 Prozent dieser Saiten nicht funktionieren, wäre man unfähig, jene Stimmen bzw. Klänge akkurat zu empfangen. Daher ist es notwendig, diese Nadis zu säubern oder zu reinigen, um die Vibrationen von außerhalb richtig wahrnehmen zu können.

Wahrnehmung der Gedanken anderer Wesen (Himmlisches Gedankenlesen)

Als nächstes entsteht eine wahrheitsgemäße, bewanderte Ansicht, die das Himmlische Gedankenlesen genannt wird. Dieses kann als verfeinertes bzw. empfindlicheres Himmlisches Gehör verstanden werden, oder als Fähigkeiten der Nadis. Durch diese Fähigkeit kann man die Gedanken anderer Wesen bzw. Organismen durch Entschlüsselung der Vibration, die diese aussenden, erkennen und verstehen.
Wenn zum Beispiel ein Objekt Anhaften hat, so erkennt man, daß dies ein Geist mit Anhaften ist. Ist das Objekt ohne Anhaften, so erkennt man, daß es ein Geist ohne Anhaften ist. Wenn das Objekt voll Boshaftigkeit gegen ein anderes Wesen ist, so begreift man, daß es ein Geist mit Boshaftigkeit ist. Ist das Objekt von Boshaftigkeit befreit, so versteht man, daß es ein von Boshaftigkeit gelöster Geist ist. Wenn das Objekt Verblendung besitzt, so versteht man, daß es Verblendung hat. Besitzt es keine Verblendung, so versteht man, daß es keine Verblendung hat.
Auch, wenn der Geist des Objektes verschlossen ist, so erkennt man instinktiv, daß er verschlossen ist. Ist der Geist eines Objektes zerstreut, so erkennt man natürlich, daß er zerstreut ist. Oder, wenn der Geist weit ist, versteht man instinktiv, daß er weit ist. Ist der Geist nicht weit, begreift man selbstverständlich, daß er nicht weit ist. Oder, wenn das Weisen einen überragenden Charakter hat, erkennt man das genau. Hat das Wesen einen überaus großen Intellekt, versteht man natürlich, daß es einen überaus großen Intellekt besitzt.
Überdies, wenn das Objekt im Samadhi ist, erkennt man, daß es im Samadhi ist. Ist es nicht im Samadhi, so erkennt man, daß es nicht im Samadhi ist. Ist das Objekt erlöst, versteht man, daß es erlöst ist. Oder wenn das Objekt behauptet, es sei erlöst, dem ist aber nicht so, erkennt man, daß es nicht erlöst ist. Das ist das Himmlische Gedankenlesen.
Einige japanische Buddhisten behaupten, daß man die Fähigkeit des Himmlischen Gedankenlesens besäße, wenn man ein paar unwesentliche Gedanken von anderen wahrnehmen könne, das aber ist nicht richtig. Wie wir gesehen haben, ist die Reichweite des Himmlischen Gedankenlesens weit größer als dies.

Erinnerung an früheres Dasein

Die Erinnerung an früheres Dasein ist die Fähigkeit, seine früheren Leben zu kennen. Zuerst entwickelt man die Kentnis von den eigenen früheren Leben, von denen die Kentnis der früheren Leben von anderen herrührt.
Diese himmlische Fähigkeit kann als Erinnerungsvermögen an den Seinzustand in den eigenen verschiedenen früheren Leben erläutert werden. Der eigenen spirituellen Stufe entsprechend, erinnert man sich an ein, zwei, drei, vier, fünf, zehn, zwanzig, dreißig, vierzig, fünfzig, einhundert, eintausend, hunderttausend Leben, viele Kalpas der Auflösung und Schöpfung.
Man erinnert sich auch auf folgende Weise: in dem einen Einzelleben trug ich den und den Namen, gehörte zu der und der Familie, hatte den und den Körper, das und das Gesicht, aß die und die Lebensmittel, erlebte das und das Vergnügen, den und den Schmerz und starb auf die und die Weise. Dann folgt der postmortale Zustand und danach geht man ins nächste Leben über.
Und im anderen Leben aufs neue: Ich trug den und den Namen, gehörte zu der und der Familie, hatte den und den Körper, das und das Gesicht, aß die und die Lebensmittel, erlebte das und das Vergnügen, den und den Schmerz und starb auf die und die Weise. Und nachdem ich gestorben war, wurde ich in dieser Menschenwelt hineingeboren. So erinnert man sich an das früheres Dasein.
Ich selbst erinnere mich an eine Reihe von früheren Leben. Wenn die Erinnerung an früheres Dasein wirkt, sind immer drei Dinge anwesend: der Seinzustand, der strahlende Raum und die Erklärung.

Erkennen des Kreislaufs von Leben und Tod

Nach der Erlangung der Erinnerungsfähigkeit an früheres Dasein folgt das Erkennen des Kreislaufs von Leben und Tod. Das Erkennen des Kreislaufs von Leben und Tod ist die Fähigkeit zu verstehen, wie sich das eigene Karma manifestieren wird und wie das eigene folgende Leben gestaltet sein wird. Der entscheidende Punkt besteht hierbei darin, daß die eigenen oberen Nadis gesäubert sein müssen. Das macht das eigene dritte Auge vollkommen klarsichtig, und mit sauberen Nadis und klarem Bewußtsein entwickelt man das Himmlische Sehen.
Beim Schauen auf den Tod oder ein Zwischenstadium eines Wesens begreift und versteht man völlig richtig hinsichtlich der tugendhaften und untugendhaften Taten, die dieses Wesen vollbracht oder nicht vollbracht im Verlaufe seines Lebens hat, ob dieses Wesen eine gemeine Kreatur oder ein edles Wesen, gut oder häßlich aussehend, glücklich oder unglücklich in seinem nächsten Leben sein wird.
Das kann auch wie folgt erläutert werden: hat ein Mensch untugendhafte Taten physischer, verbaler oder geistiger Art vollbracht, erlöste Wesen beleidigt, irrige Ansichten aufrechterhalten und in Folge davon, untugendhaftes Karma akkumuliert, wird er in der Hölle geboren werden.
Andererseits, es sei ein Mensch gegeben, der tugendhafte Handlungen, physische,verbale oder geistige, vollbracht hat, der sowohl materielle und geistige Opfer wie Dienste geleistet hat. Anders ausgedrückt, die Akkumulation von Erfahrung seitens dieses Mannes ist vollkommen tugendhaft. Sehr bald schon, falls die Praktiken dieses Menschen auf einer richtigen Anschauung gegründet werden, wird er natürlich in einem Himmel hineingeboren, in dem es ausschließlich Glückseligkeit gibt.
Die Fähigkeit, all diese Dinge zu erblicken und zu verstehen, das ist das Erkennen des Kreislaufs von Leben und Tod.

Die Negierung dieses Lebens

Hat man das Erkennen des Kreislaufs von Leben und Tod erlangt, so versteht man eindeutig, daß dieses irdische Leben ein Akkumulieren untugendhafter Handlungen ist. Folglich entsteht die Negierung dieses Lebens.

Befreiung von Anhaften - Erlösung (Rigedatsu)

Allmählich wird man auch verstehen lernen, daß das Anhaften (oder die Habgier) an konkrete Dinge uns an diese Welt der Begierde fesselt und unser Eintreten in die Obere Sphäre der Form behindert. Das ist es, was einen diese Welt negieren und auf das Anhaften verzichten läßt, nur dies führt uns zum Stadium, das das "Erlöschen der Sickerung" genannt wird. Das Erlöschen der Sickerung kann auch als Erlösung bezeichnet werden. Es ist die Loslösung und Befreiung von den drei Grundgiften.

Erlöschen der Sickerung

Das Erlöschen der Sickerung, oder die Erlösung, kann in zwei Hauptstufen untergliedert werden. Die erste Stufe wird als Erlösung durch Weisheit bezeichnet. Auf dieser Stufe unternimmt man bewußte geistige Anstrengungen, um diese Welt zu negieren und um die Befreiung von Anhaften zu erlangen. Mit anderen Worten, man integriert diese beiden geistigen Einstellungen ins eigene tiefe Bewußtsein durch die Wiederholung des Merkens und zerstört nacheinander all das, was im eigenen Geist entstanden hat, mit Hilfe der Konzentration auf selbiges. Dies ist die Erlösung durch Weisheit.
Die nächste Stufe, die Erlösung durch den Geist, ist jenes Stadium, in welchem alle Verunreinigungen des Geistes vollkommen erloschen sind, und also der Geist die völlige Leere erfährt. Dies ist das Stadium, das "Erlösung durch den Geist" genannt wird, anders ausgedrückt: die Höchste (Endgültige) Erlösung.

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